Umkehrosmose – ein wichtiger Baustein im Wasser- und Abwasserbereich / Bekannt als klassische Methode der Wasserentsalzung ist die Umkehrosmose (engl. Reverse Osmosis oder kurz RO) heute auch in anderen Anwendungen eine Basistechnologie.
Trennt man 2 wässrige Flüssigkeiten unterschiedlicher Salzkonzentration mittels einer semipermeablen Membran, entsteht eine natürliche Kraft, die die Vermischung der beiden Flüssigkeiten zur Folge hat. Diese natürliche Kraft wird „Osmotischer Druck“ genannt. Dabei versucht die Flüssigkeit mit der niedrigeren Konzentration durch die Membran zur Flüssigkeit mit der höheren Konzentration vorzudringen. Dieser Vorgang erzeugt einen messbaren Druck – den osmotischen Druck.

Ein praktisches Beispiel ist uns allen bekannt. Reifes Obst neigt zum Platzen, wenn es mit Regenwasser benetzt wird. Das salzarme Regenwasser dringt durch die Obstschale (Membran) in die Frucht zum höher konzentrierten Obstsaft ein – dadurch kann die Schale aufplatzen.
In der technischen Anwendung spricht man von Umkehrosmose, wenn man den natürlichen Vorgang der Osmose durch einen künstlichen Gegendruck mittels einer Pumpe umkehrt. Dabei presst man die salzhaltigere Flüssigkeit (Feed) mit großem Druck gegen bzw. durch die Membran. Dabei trennen sich an der Membran das sogenannte Permeat (salzärmeres Wasser) und das Konzentrat (Restflüssigkeit mit hoher Salzfracht). Durch mehrstufige Anwendung kann man das Wasser bis zu einer Reinstwasser-Qualität entsalzen. Das klassische Membranmodul ist heute als gewickeltes Spiralmodul ausgelegt. Diese Module müssen nach einer bestimmten Nutzungsdauer ausgetauscht werden. Dadurch gibt es einen lukrativen „Ersatzteilmarkt“ und die Wasserentsalzung mittels RO ist ein gewaltiger und stark umkämpfter Wirtschaftsfaktor. Die laufenden Austauschkosten sowie die Energiekosten für die Hochdruckpumpe machen das Verfahren relativ teuer – aber auch sehr effektiv.

Die technische RO findet überall dort Anwendung, wo aus einer vorhandenen Salzwasserqualität ein reineres, salzärmeres Prozess‑, Trink- oder Reinstwasser erzeugt werden soll. Anlagen werden heute von der Minianlage für den Heim- oder Laborbetrieb über Skid-Lösungen oder in Schiffscontainern als mobile Stationen geplant. Riesige Anlagen mit hoher Entsalzungsleistung sind in Gegenden ohne ausreichendes Grund- und Süßwasser mehr und mehr im Vormarsch. So sind Anlagen z. B. in den Vereinigten Arabischen Emirate oder in Indien in der Lage, ganze Stadtteile mit Frischwasser zu versorgen. Diese Anlagen sind eher riesige Fabriken. Der große elektrische Energiebedarf kann in den ariden Gebieten oft aus Solarkraft oder vorhandenen natürlichen Energiequellen gewonnen werden (Öl, Gas, Wasser- und Windkraft). Ein großes Problem sind die nicht unerheblichen Mengen an Konzentrat, die bei der Entsalzung als Reststoff entstehen. Wirtschaftlich ist diese Salzlake nicht sinnvoll nutzbar, zu teuer im Gegensatz zu natürlichen Salzvorkommen. Bei Megaanlagen in Küstenregionen wird Meerwasser einige 100 m vom Ufer angesaugt und in die Entsalzungsanlagen eingespeist. Das Konzentrat wird anschließend über eine separate Pipeline an anderer Stelle wieder in das Meer zurückgespült. Bei landbasierten Anlagen entstehen oft unschöne Berge von getrocknetem Salzkonzentrat – hier ist der ökologische Aspekt noch nicht zufriedenstellend gelöst.
Der RO-Prozess ist z. B nur eine Stufe einer Meerwasserentsalzung zur Trinkwasserherstellung. Neben klassischen Sandfiltern sind weitere Vorstufen beispielsweise der Ionenaustauscher, Koagulation und Flockung, Sedimentation oder Desinfektion. Dennoch ist die RO-Stufe ein höchst effektives Filtrationsverfahren, bei dem 90 bis 99 % gelöster Feststoffe und Salze, aber auch Schadstoffe und andere Verunreinigungen entfernt werden können. Selbst Mikroorganismen, Bakterien und Viren können erfolgreich aus dem Feed-Wasser filtriert werden.
Eine relativ neue Anwendung ist RO zur Entfernung von PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) – oder auch landläufig Ewigkeitschemikalien genannt. Diese Problemkunststoffe bauen sich auf natürliche Weise in der Natur nicht mehr ab und konzentrieren sich somit in den Weltmeeren, aber auch im Grundwasser nach und nach auf. In Menschen und Tieren können diese Stoffe nachgewiesen werden, eine gesundheitliche Gefahr ist bei hoher Konzentration auf Dauer zu befürchten. Da die Stoffe nahezu überall in unserer technisierten Welt vorkommen, ist ein Verbot z. B. durch die EU (PFAS-Verordnung) aber auch weltweit in Vorbereitung. Problematisch wird es dort, wo es für die Ursprungsmaterialien (z. B. bestimmte Hochleistungskunststoffe wie u. a. PTFE, bekannt als hitzefeste Beschichtung in Bratpfannen) noch keinen adäquaten Ersatz gibt. Neben der Vermeidung ist es also auch wichtig, bereits vorhandenes PFAS aus dem Trink- und Abwasser zu entfernen, bevor es zum Verbraucher kommt. RO ist hier als Kombiverfahren mit einer vorgeschalteten Aktivkohlebehandlung oder Ionentauschern erfolgreich im Einsatz.
Die Welt steht vor einer Wasserinsolvenz (Water Bancrupty)
Die Welt verbraucht aufgrund der Folgen des Klimawandels mittlerweile so viel Süßwasser, dass sie in eine Ära der dauerhaften Wasserverknappung eingetreten ist. Einige Regionen sind nicht mehr in der Lage, sich von immer häufiger werdenden Wasserknappheiten zu erholen.
Etwa 4 Mrd. Menschen – fast die Hälfte der Weltbevölkerung – leben mindestens einen Monat im Jahr mit schwerer Wasserknappheit und haben keinen Zugang zu ausreichend Wasser, um ihren gesamten Bedarf zu decken. Viele weitere Menschen spüren die Folgen des Wasserdefizits: ausgetrocknete Stauseen, versinkende Städte, Ernteausfälle, Wasserrationierung und häufigere Waldbrände sowie Staubstürme in austrocknenden Regionen (Quelle: UN).
Dies macht es erforderlich, dass die Wasser- und Abwasserreinigungsmethoden weiterentwickelt und effektiver gemacht werden. Neben dem Wasserverlust durch marode Infrastruktur sind bezahlbare technische Lösungen zur Entsalzung und damit die Produktion sauberen Wassers ein wichtiger Schritt. Diese Anlagen haben sich längst bewährt – sei es als Trinkwasserquelle auf großen Schiffen, als mobile Anlagen in Katastrophen- und Kriegsgebieten oder als manchmal einzige Wasserquelle in abgelegenen Regionen der Erde. Kompakte Lösungen und robuste, bewährte Technik ist gefragt, die auch vor Ort durch lokale Kräfte gewartet werden kann. Dazu sollte die Betriebstechnik einer solchen Anlage optimal aufeinander abgestimmt sein. Die wesentlichen Betriebsfaktoren in einer RO-Anlage sind die Wasserqualitätsparameter wie pH, elektrolytische Leitfähigkeit (Salzgehalt), Druck, Durchflussmenge und natürlich der Füllstand in den Lagertanks. Für die Wasserdesinfektion können Chlor- oder Ozonmessungen notwendig sein, zur Trübungskontrolle außerdem auch der optische Messfaktor NTU. RO-Anlagen werden nach Wasserbedarf von Kleinstanlagen bis Megafabriken gebaut – deshalb ist es ideal, wenn die Technik ebenfalls skalierbar ist und an die benötigte Anlagengröße angepasst werden kann. Nicht immer sind alle Messungen erforderlich oder zusätzliche Spezialmessungen notwendig. Für den Rohwassereintritt ist eine induktiv arbeitende elektrolytische Leitfähigkeitsmessung heute Stand der Technik. Egal ob Meer‑, Brackwasser oder allgemeines Stadtwasser – durch das wartungsfreie Messprinzip machen hohe Messwerte und Verschmutzungen keine Probleme. Je nach Herkunft treten hier Messwerte von bis zu 100 mS/cm auf.

Nach den ersten Filterstufen fällt die Leitfähigkeit dann meist schon auf 1 bis 2 mS/cm oder niedriger – je nach angewandter Technik. Für eine gute Trinkwasserqualität werden 200 bis 500 µS/cm angestrebt. Wird noch reineres Wasser benötigt, z. B. für technische Spülprozesse oder gar die Anwendung als Pharmawasser, müssen weitere Filtrationsstufen vorgesehen werden. Heute ist es möglich, aus Meerwasser mit 100 mS/cm ultrareines WFI (Water for Injection) herzustellen – mit einer Endleitfähigkeit nahe der Eigenleitfähigkeit des Wassers in Höhe von ca. 0,05 µS/cm bei 25 °C. In den Stufen unter 1 mS/cm kommen deshalb andere Messverfahren zum Einsatz, man spricht dann von den klassischen Kohlrausch-Messzellen – konduktive Leitfähigkeitsmessung.

Die in den hintereinander geschalteten Filtrationsstufen gemessene Leitfähigkeit ist auch ein Maß für die Funktionsfähigkeit und den Nutzungsgrad der diversen Filter- und RO-Module. Werden die Werte vor und hinter den einzelnen Stufen gemessen, kann die Filterleistung in einem mehrkanaligen Auswertegerät wie dem JUMO AQUIS touch oder in einer SPS-Steuerung (z. B. JUMO variTRON) mathematisch als Faktor bestimmt werden.

Druck- und Durchflussmesswerte überwachen die Pumpenleistung und ebenfalls die Filterzustände. Da bei der RO mit Drücken um die 100 bar gearbeitet wird und die elektrische Energie für die Pumpen optimal eingesetzt werden sollte, sind hier verlässliche Messwerte erforderlich. Im Trinkwasser können dabei Geräte mit magnetisch-induktivem oder Ultraschall-Messverfahren eingesetzt werden.

Für die Hersteller solcher Anlagen ist ein One Stopp-Partner ideal. Alle mess- und steuerungstechnischen Komponenten sind aufeinander abgestimmt und die gesamte Beratung kommt von einem verlässlichen Projektpartner.
JUMO bietet sich hier mit seiner langjährigen Expertise, seinem breiten Portfolio und seiner weltweiten Präsenz an. Neben den klassischen Produkten ergänzen Services wie Pre- und Aftersales-Service oder Engineering-Dienstleistungen das Angebot perfekt. Für die Fernüberwachung dezentraler Wasseraufbereitungsanlagen bietet sich die JUMO Cloud-Lösung an. Fernkontrolle, Messwertaufzeichnung und Fernalarmierung tragen dazu bei, die Wasserqualität jederzeit im Blick zu behalten und Betreibern vor Ort bei Bedarf schnell Unterstützung zukommen zu lassen.
Autor

Matthias Kremer (Dipl.-Ing. (FH))
Globaler Branchenmanager Wasser und Abwasser, JUMO Fulda










