Was die biologische Reinigung ins Wasser abgibt, untersuchen Kläranlagen regelmäßig. Auch die freigesetzten Gase liefern Informationen über den Prozess. Hier setzt das Messsystem EmiCo lite von Variolytics an. Es erfasst unter anderem Lachgas und Methan über dem Belebungsbecken und verbindet die Ergebnisse mit einer digitalen Auswertung. Den aktuellen Anlass bietet die Auszeichnung mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Produkte 2027. Für Anlagenbetreiber steht dahinter eine praktische Aufgabe: Emissionen erfassen und ihre Zusammenhänge mit der Betriebsführung verstehen.
Das Gerät arbeitet mit nichtdispersiver Infrarotspektroskopie. Neben Lachgas und Methan misst es Kohlendioxid in der Gasphase. Ein zusätzlicher Sensor erfasst Sauerstoff. Durchfluss und Temperatur liefern ergänzende Daten, um Konzentrationen in Emissionsraten umzurechnen. Ein Gerät deckt zwei Messpunkte ab. Da die Erfassung über dem Belebungsbecken erfolgt, besteht kein direkter Kontakt mit Abwasser oder Schlamm. Zur Wartung gehören ein automatischer täglicher Nullpunktabgleich mit Stickstoff sowie eine halbjährliche Kalibrierung.
Die Plattform EmiCo Insight verknüpft die Messergebnisse mit Prozessdaten. Ihre Auswertung unterstützt die Identifikation ungünstiger Betriebszustände und die Ableitung von Maßnahmen. Damit lassen sich Zusammenhänge zwischen biologischer Reinigung, Betriebsführung und Gasfreisetzung untersuchen. Die Messung schafft die Datengrundlage. Eine Verringerung der Emissionen entsteht erst durch entsprechende Anpassungen des Anlagenbetriebs. Die Kombination aus kontinuierlicher Erfassung und Prozessanalyse richtet den Blick deshalb auf die Ursachen erhöhter Werte.
Entscheidend für belastbare Ergebnisse sind Messort und Beobachtungsdauer. Die Lachgasfreisetzung kann innerhalb eines Belebungsbeckens räumlich unterschiedlich ausfallen. Für eine Hochrechnung auf die gesamte Anlage müssen die Positionen der Messpunkte gezielt gewählt werden. Auch jahreszeitliche Veränderungen und kurzzeitige Spitzen beeinflussen die Bilanz. Der Hersteller empfiehlt deshalb eine Beobachtung über zwölf Monate. Das bereits eingesetzte System war im Juni 2026 in 75 Kläranlagen in acht Ländern installiert. Für Betreiber eröffnet die Technik einen zusätzlichen Zugang zur Bewertung ihrer biologischen Reinigungsprozesse.













