Die vermicon AG und die HTS Labs Frankfurt GmbH erweitern ihre Zusammenarbeit im bundesweiten Abwassermonitoring um den Nachweis klinisch relevanter Resistenzgene. Beide Unternehmen arbeiten seit 2023 im Programm Abwassermonitoring für die epidemiologische Lagebewertung (AMELAG) zusammen, das vom Umweltbundesamt und dem Robert Koch Institut koordiniert wird. Die Partner verbinden rund 30 Jahre Erfahrung in der Abwassermikrobiologie und spezialisierte Analyseverfahren mit Hochdurchsatzanalytik, automatisierten Laborprozessen sowie digitalisierten Strukturen für Logistik und Datenverarbeitung. Ziel ist ein langfristiges, vergleichbares Monitoring antimikrobieller Resistenzen (AMR).
Klinisch relevante Resistenzgene im Fokus
Aktuell stehen Testkits für die Gene blaOXA-48-like, blaKPC, blaCTX‑M, blaNDM und sul1 zur Verfügung. Diese vermitteln Resistenzen gegen Carbapeneme, Cephalosporine und Sulfonamide. Die Antibiotikaklassen werden in der klinischen Praxis als Reservemedikamente oder Standardtherapien eingesetzt. Die Analyse erfolgt mit VIT Testkits auf Basis der quantitativen Polymerasekettenreaktion (qPCR) und darauf abgestimmten Arbeitsabläufen. Damit lassen sich Genkonzentrationen in Abwasserproben bestimmen und über verschiedene Messzeitpunkte verfolgen. Erkenntnisse aus dem Einsatz fließen in die Weiterentwicklung der Verfahren ein. Weitere Zielgene befinden sich bereits in Entwicklung. „Das Abwassermonitoring entwickelt sich von der Beobachtung einzelner Erreger hin zu einem breiteren mikrobiologischen Lagebild. Nach Viren rücken jetzt Resistenzgene in den Fokus. Das ist ein logischer nächster Schritt“, erklärt Mikrobiologe und Vorstandsvorsitzender Dr. Jiri Snaidr.
Wiederkehrende Messungen ermöglichen die Trendbeobachtung
Resistente Bakterien und Resistenzgene zirkulieren zwischen Mensch, Tier und Umwelt. Abwasser bündelt Einträge aus unterschiedlichen Quellen und liefert dadurch Hinweise auf das Vorkommen und die zeitliche Entwicklung relevanter Gene. Ein einzelner Nachweis belegt zunächst jedoch nur deren Vorhandensein in der untersuchten Probe. Er zeigt weder unmittelbar, welches Bakterium das Gen trägt, noch ob eine direkte gesundheitliche Gefährdung besteht. Für die Bewertung sind deshalb standardisierte, wiederkehrende Untersuchungen und die Beobachtung längerfristiger Trends entscheidend.
„Wirksames Monitoring braucht verlässliche, standardisierte Prozesse. Wir verbinden automatisierte Laborstrukturen mit der mikrobiologischen Expertise von vermicon – so entstehen AMR-Daten, die für künftige regulatorische Anforderungen belastbar sind“, sagt Dr. Michael Bonin, Geschäftsführer von HTS Labs Frankfurt.
Anforderungen an die kommunale Abwasserüberwachung
Die Abwasserüberwachung hat sich von der Untersuchung einzelner viraler Erreger zu einem breiteren mikrobiologischen Ansatz entwickelt. AMELAG schafft den Rahmen, um auch Resistenzen systematisch einzubeziehen. Die Richtlinie 2024/3019 der Europäischen Union (EU) verankert deren Überwachung in der kommunalen Abwassersurveillance. Für Siedlungsgebiete ab 100.000 Einwohnerwerten ist künftig ein verpflichtendes AMR Monitoring vorgesehen. Die Zusammenarbeit der beiden Analytikpartner richtet sich damit auf die methodischen Voraussetzungen für eine dauerhafte Untersuchung: quantitative Nachweise, standardisierte Laborabläufe und vergleichbare Datenreihen.












