Abwasserbehandlung in Kläranlagen zählt zur kritischen Infrastruktur, da sie eine wichtige Rolle beim Schutz von Gemeinden und Ökosystemen spielt. Bei der Fachmesse Internationale Fachmesse für Wasser‑, Abwasser‑, Abfall- und Rohstoffwirtschaft (IFAT) 2026 in München präsentierte der Lösungsanbieter GEA eine Weiterentwicklung des Leistungspotentials des erstmals 2023 vorgestellten GEA OptiPartner Intellicant Systems für intelligentes Abwassermanagement. Der Dekanter ist dank Intellicant in der Lage, in den eigenen Prozess hineinzusehen, in Echtzeit zu verstehen, was geschieht, und sich kontinuierlich anzupassen. Durch die Kombination von Sensoren, Echtzeit-Datenanalyse und autonomer Steuerungssoftware verwandelt Intellicant einen Dekanter in ein sich selbst optimierendes System, das sich kontinuierlich an wechselnde Klärschlammbedingungen anpasst und den Prozess auf seinem Betriebspunkt hält. Im Ergebnis bedeutet das für die Kläranlagenbetreiber höhere Trockensubstanzwerte, einen geringeren Polymerverbrauch, weniger Kosten, weniger Aufwand und hohe Prozesssicherheit. Damit zeigt Intellicant, wie digitale Intelligenz Infrastruktur auf ein neues Leistungs- und Wirkungsniveau heben kann. Konkret bedeutet das auch: Jedes Prozent Trockensubstanz kann 135.000 Euro an jährlichen Entsorgungskosten einsparen (Berechnung einer Dekanterinstallation in einer Kläranlage mit einer Kapazität von 385.000 Einwohnergleichwerten und Entsorgungskosten von 60 Euro pro Tonne Trockensubstanz).
Druck auf Kläranlagenbetreiber steigt – Wasser auch bedeutender Standortfaktor
Der Druck auf die betriebswirtschaftliche Führung von Kläranlagen hat zugenommen. Eine Ursache sind schwankende Klärschlammeigenschaften. Die Schlammzusammensetzung ändert sich ständig. Niederschläge, Temperaturen, industrielle Einleitungen und lokale Ereignisse können die Eigenschaften des Zulaufs innerhalb von Minuten verändern. Die Betreiber reagieren darauf mit Anpassungen der Polymerdosierung, der Trockensubstanzziele, der Differenzdrehzahl oder der Teichtiefe. Diese manuellen Anpassungen erfolgen jedoch nur sporadisch und im Nachhinein. Das ist reaktiv statt proaktiv. In der heutigen Zeit reicht das nicht mehr aus. Zudem sieht sich die Branche mit einem Mangel an qualifiziertem Personal konfrontiert. Gleichzeitig entwickelt sich Wasser zu einem wichtigen Produktions- und Standortfaktor für die Industrie. Wasserstress, steigende Nachfrage sowie notwendige Investitionen in die Infrastruktur wirken sich bereits heute auf Lieferketten, Produktionssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit aus.
Ein digitaler Sprung nach vorn
Im Jahr 2023 brachte der Maschinen- und Anlagenbauer sowie Lösungsanbieter GEA Intellicant auf den Markt – ein algorithmus- und cloudbasiertes digitales Produkt, das einen Dekanter in ein selbstoptimierendes System verwandelt.
Intellicant – Das digitale Gehirn der Dekanter-Produktreihe von GEA für den Umweltbereich
Im Kern von Intellicant steht eine einfache Idee: Ein Dekanter, der seinen eigenen Prozess in Echtzeit sehen kann, kann sich schneller und präziser optimieren als ein menschlicher Bediener. Das kompakte Sensorpaket von Intellicant misst kontinuierlich drei kritische Parameter – Feststoffgehalt im Zulauf, Zentratsqualität und Trockensubstanz im Austrag – und erzeugt so einen Live-Datenstrom aus dem Inneren des Prozesses.
Intellicant wird entweder mit einer neuen Dekanterzentrifuge oder als Nachrüstsatz für bestehende GEA environmental Dekanter geliefert und kombiniert wartungsarme Sensoren, autonome Steuerung sowie Werkzeuge zur Echtzeitüberwachung und Berichterstattung. Es wird als abonnementbasierter digitaler Service angeboten, der kontinuierliche Optimierung, Einblicke und Leistungsberichte bereitstellt.
Intellicant ist in drei Konfigurationen erhältlich, die jeweils auf die Optimierung einer bestimmten betrieblichen Priorität ausgelegt sind:
- Core Kit mit Schwerpunkt auf Prozessstabilität
Steuert automatisch die Polymerdosierung und stabilisiert den Prozess unter schwankenden Schlammbedingungen. - Edge Kit mit Schwerpunkt auf optimiertem Polymerverbrauch
Reduziert den Polymerverbrauch bei gleichbleibender Trennleistung. - Peak Kit mit Schwerpunkt auf Trockensubstanzgehalt
Erhöht den Trockensubstanzgehalt des entwässerten Schlamms und reduziert so Entsorgungsmengen und ‑kosten.
So funktioniert die Echtzeitüberwachung durch GEA OptiPartner Intellicant
Intellicant besteht aus einem Sensorpaket und einer Software, dem Virtual Operator. Die Sensoren überwachen drei entscheidende Prozessparameter in Echtzeit: die Feststoffkonzentration des Zulaufs, die Trübung des Zentrats und die Trockensubstanz des Feststoffs im Austrag. Diese Sensordaten werden per lokaler Netzwerkverbindung an den Virtual Operator übertragen. Die Software ist in die vorhandene Anlagensteuerung des Dekanters integriert und reagiert automatisch auf die eingehenden Daten.
Menge des Klärschlamms gegenüber dem Vorjahr gestiegen
Während die Menge des erzeugten und entsorgten Klärschlamms seit 2021 jedes Jahr gesunken war, stieg sie im Jahr 2024 wieder an. Deutschlandweit meldeten die kommunalen Kläranlagen 2024 insgesamt 2 Prozent mehr Klärschlammerzeugung und ‑entsorgung als 2023. Die Mengensteigerung entspricht in etwa dem Klärschlammaufkommen einer Millionenstadt.
Klärschlamm in der Landwirtschaft
Immer weniger Klärschlamm wird in Deutschland als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt: Im Jahr 2024 haben die kommunalen Kläranlagen rund 1,67 Millionen Tonnen Klärschlamm entsorgt. Nur noch 12 Prozent davon (0,20 Millionen Tonnen) wurden auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 waren noch 30 Prozent des Klärschlamms in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt worden. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stieg demgegenüber der Anteil des thermisch verwerteten Klärschlamms im Jahr 2024 auf 82 Prozent, während der Anteil im Jahr 2009 bei 53 Prozent gelegen hatte. Damit wurden im Jahr 2024 rund 1,37 Millionen Tonnen Klärschlamm verbrannt und unter anderem zur Energie- und Wärmeerzeugung eingesetzt. Rund 80.000 Tonnen (5 Prozent) entfielen auf andere Entsorgungswege. Im Landschaftsbau wurden rund 13.000 Tonnen (1 Prozent) Klärschlamm verwendet.











